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Orchesterverein Ulm/Neu-Ulm feierte seinen 90. Geburtstag

Frischer Wind und ein neues Konzept:
Der Orchesterverein Ulm/Neu-Ulm feierte seinen 90. Geburtstag mit dem „Podium junger Solisten“.

VERENA WESTPHAL |

Nachwuchskünstler aus der Region bekommen beim „Podium junger Soisten“ die Chance, solistische Erfahrung mit einem Sinfonieorchester zu machen. Für viele war es das erste Mal, dass sie auf einer solchen Konzertbühne standen. Im vollbesetzten Kornhaus war eine bestimmte Spannung zu spüren, waren doch viele Angehörige und Freunde der Solisten gekommen.

Zur Eröffnung gab es die „Nabucco“-Ouvertüre, Michael Eberhardt hatte am Pult alle Hände voll zu tun, das Liebhaberorchester klanglich und musikalisch aufs Podium zu holen. Dann war die Bühne frei für die jungen Solistinnen und Solisten – der gerade mal 14-jährige Jonas Gira spielte den ersten Satz aus Mozarts Hornkonzert bereits erstaunlich reif und klangschön. Riesenjubel und eine weiße Rose gab es für ihn und Viktoria Kassel, die den ersten Satz aus Lebruns Oboenkonzert spielte und mit ihrer Oboe eine wunderschöne musikalische Geschichte erzählte.

Mit viel Talent und hoher Virtuosität zeigte Victoria Miller ihr Können auf der Violine in der Fantasie über „Carmen“ von Bizet in einer Version von Franz Drdla, die wiederum von Basti Bund zu einer instrumentierten Fassung umgeschrieben wurde und in diesem Konzert ihre Uraufführung erlebte. Für die Solistin war es nicht immer einfach, sich gegen den großen Klangkörper durchzusetzen, ließen sich doch die Musiker von dem Temperament der Carmen anstecken und nahmen bisweilen der Geigerin den nötigen Klangraum.

In Suppés Ouvertüre zu „Dichter und Bauer“ brillierte das von der Harfe begleitete Solocello, und engelsgleich musizierten Anne Hoerder und Hanna Zielke das Concerto für zwei Flöten und Orchester in d-moll von Franz Doppler, welches die Flötistinnen sehr lebendig und wie aus einem Guss, im langsamen Satz anrührend (mit Harfe) und im Allegro im virtuosen musikalischen Wettstreit meisterten – Chapeau!

Zwei, mit Zugabe drei slawische Tänze von Anton Dvorák gab’s noch zu hören, für einen Konzertabend war das Programm sicher zu lang, vielleicht sollte sich das „Podium junger Solisten“ in die Richtung entwickeln, dass es weniger Solisten engagiert, die dafür aber ein ganzes Konzert spielen können, anstelle von zu vielen Einzeldarbietungen.

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