Pressestimme Neu-Ulmer Zeitung


Junge Solisten spielen groß auf

Der Orchesterverein Ulm/Neu-Ulm bietet Talenten aus Region ein Podium.
Die erweisen sich dafür mehr als würdig

WILHELM SCHMID |

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Zu seinem 90. Geburtstag hat der Orchesterverein Ulm/Neu-Ulm sich selbst, fünf ausgezeichneten Nachwuchsmusikern sowie dem zahlreichen Publikum im Kornhaus ein besonderes Geschenk gemacht: „Podiumjunger Solisten“ war der Titel eines Programmes, das den jungen Leuten eine hervorragende Gelegenheit bot, teilweise sogar erstmals mit einem „ausgewachsenen“ Sinfonieorchester als Solisten aufzutreten.

Eingerahmt wurden diese Auftritte von drei ebenso populären wie effektvollen Orchesterwerken: Verdis„Nabucco“-Ouvertüre, die nicht minder beliebte Eröffnung zu Franz von Suppés „Dichter und Bauer“ und zwei der „Slawischen Tänze“ von Anton Dvorák ließen Dirigent Michael Eberhardt und sein Ensemble so richtig schön „in die Vollen gehen“. Mit Spielfreude, Können und ansprechender Gestaltung wurden alle drei Werke zu einem Vergnügen für Hörende und Mitwirkende.

Dazwischen aber tat sich nun das „Podium junger Solisten“ auf, das der jüngste, Jonas Gira aus Illertissen, mit seinem Horn eröffnete. Mit der höchst seltenen dreifachen Spitzenwertung von jeweils 25 Punkten hatte er sich beim Regional-, Landes- und Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ empfohlen. Mit dem ersten Satz aus Mozarts Es-Dur-Hornkonzert KV 447 hatte er sich eine anspruchsvolle Aufgabe gestellt. Es ist überliefert, dass Mozart seine Hornkonzerte für seinen Freund Joseph Ignaz Leutgeb geschrieben und diesen immer wieder ob seiner nicht ganz sattelfesten Technik mit spöttischen Kommentaren bedacht hatte. Bei Gira hätte Wolfgang Amadé gewiss keinen Grund dafür gehabt, denn der noch nicht ganz 14-Jährige bewältigte die hohen Anforderungen schlichtweg mit Bravour. Nicht nur Dirigent Eberhardt und sein Orchester, sondern auch die Zuhörer hatten ihre helle Freude an dem ebenso konzentrierten wie unbekümmerten Auftreten des jungen Solisten.

Das gilt auch für die folgende junge Musikerin festzustellen: Viktoria Kassel ließ die ganze Schönheit des ersten Satzes aus dem Konzert für Oboe und Orchester von Ludwig August Lebrun aufstrahlen und durfte sich wie Gira über ebenso begeisterten wie berechtigten Applaus freuen. Danach stand Victoria Miller mit ihrer Violine im Mittelpunkt: Eigens für den Orchesterverein Ulm/Neu-Ulm hatte Basti Bund die Fantasie über „Carmen“ von Bizet von Frantisek Drdla neu instrumentiert, sodass hier nicht nur eine Solistin von Spitzenformat, sondern auch eine Uraufführung zu hören war.

Auch der zweite Teil des Programmes blieb kompositorisch in der Donaumonarchie, und nun konnten sich zwei Flötensolistinnen auszeichnen: Anne Hoerder und Hanna Zielke hatten das „Concerto für zwei Flöten und Orchester in d-moll“ von Franz Doppler aufgelegt, und sie entwickelten dieses zu einem echten Erlebnis an Musikalität, Spielfreude und technischer Brillanz. Blumen und Geschenke sowie anhaltender Applaus waren äußeres Zeichen der Anerkennung für die jungen Solisten und den gesamten Orchesterverein, der diesen ein hochwertiges Podium geboten hatte. Die Talente haben sich zweifellos für weitere hochkarätige Auftritte empfohlen.

 

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